Die uns bei weitem am häufigsten gestellte Frage ist die nach den Kosten und der Finanzierung einer Weltumsegelung. Klar möchte jeder, angefangen von den Freunden über Leser unserer Webseite bis zu Weltumseglern in der Planungsphase und dem Finanzamt gerne eine möglichst exakte Auskunft. Im Unterschied zu Amerikanern liegt es aber in der Natur von uns Deutschen, mit solchen Zahlen nicht öffentlich hausieren zu gehen. Außerdem gibt es ohnehin keine verbindliche Antwort, die für alle Zeit und jeden gilt; die Budgets sind so individuell wie die Segler.
Im folgenden möchten wir aber dennoch den Versuch starten, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, und aus unserer Erfahrung über das Budget, die Kostentreiber und die Möglichkeiten der Finanzierung berichten.
Ein wichtiger Hinweise noch: Die im Folgenden angegebenen Kosten beziehen sich immer auf 2 Erwachsene an Bord, die Standardbesatzung für Langfahrt und spiegeln das aktuelle Preisniveau von 2007 wider.
"Eine Weltumsegelung kostet so viel Geld wie Ihr habt."
Diese Aussage ist die beste Antwort auf die Frage nach den Kosten und hat uneingeschränkten Wahrheitsgehalt, auch wenn sie auf den ersten Blick überhaupt nichts sagen will.
Denkt man aber darüber nach, so wird schnell klar, dass man bei einer Weltumsegelung unzählige Möglichkeiten hat, die Kosten und Ausgaben zu beeinflussen. Angefangen von der Dauer einer solchen Reise, über die Reiseziele, die Schiffsgröße und –ausstattung, den Verzicht auf (überflüssigen) Luxus und Marinas bis zur Subsistenz durch Fischfang und Verzicht auf Versicherungen hat man die Kostentreiber selbst in der Hand und bestimmt, was die Reise kostet. Im Prinzip ist eine Weltumsegelung mit praktisch jedem Budget möglich und wir haben persönlich die unterschiedlichsten Bandbreiten gesehen.
Gut, ein wenig Geld sollte man aber schon auf der hohen Kante haben. Ab welchem Budget kann man sich dann heute ernsthaft Gedanken machen, die Leinen zur großen Reise loszuwerfen?
Ein weltumsegelungstaugliches Schiff sollte heute durchaus für 30.000 Euro oder weniger zu haben sein. Natürlich ist das dann nicht unbedingt ein schickes, langes und rankes Rennschiff mit allem Schnick und Schnack, sondern möglicherweise ohne Einbaumotor nur mit einem Aussenborder, ohne Kühlschrank, Wassermacher, Kurzwellenfunkanlage, Rettungsinsel (dafür muß das Dinghy herhalten), Laptop etc. Die Technik ist auf ein Minimum reduziert, aber man kommt auch ohne den ganzen Firlefanz um die Welt, wenn man sich einschränkt. Wir haben Pärchen getroffen, die auf 7,20m langen und 30 Jahre alten Schiffen auf Weltumsegelung waren.
Auf Versicherung jeder Form wird verzichtet und an Land essen gehen oder Marinaaufenthalte findet ihr sowieso unnatürlich? Dann würden wir sagen, dass mit einem jährlichen Budget von 7.000 bis 8.000 Euro für Essen, Kleidung, ein wenig Unterhalt für das minimalistisch ausgestattete Schiff und einer Reiseroute, die vor allem in die besonders günstigen Reviere wie Afrika, Südamerika, Mittelamerika und Asien führt, die Reise losgehen kann.
Wer weniger ansetzt, wird wahrscheinlich schnell feststellen, dass die Reise länger dauert, als das Geld reicht.
Es gibt sie auch heute noch - die Segler, die mit diesem minimalen Budget auskommen. Sie gehören jedoch zur absoluten Minderheit und sind in der Regel die ganz Jungen oder die "Ausgestiegenen". Die Mehrzahl der Langfahrer sind heute Leute in den besten Jahren oder älter, die ihren Lebensmittelpunkt für ein paar Jahre auf ein Segelschiff verlegt haben.
Und so vielfältig die verschiedenen Persönlichkeiten sind, so unterschiedlich sind auch die Budgets.
Wir schätzen, dass etwa siebzig Prozent der Crews auf Langfahrt zwischen 15.000 und 40.000 Euro pro Jahr für Schiff, Leben, Ernährung, Ausflüge und Versicherungen ausgeben. Etwa 15 % liegen wohl zwischen der überwältigen Mehrheit und dem Minimalansatz und weitere 15% geben deutlich mehr als 40.000 Euro pro Jahr aus; wie überall sind nach oben keine Grenzen gesetzt...
Und wie sieht das ganze nun konkret bei uns aus? Wir haben für die letzten Jahre eine Aufstellung aller Kosten gemacht und sie nach folgenden Kostenarten aufgeschlüsselt:
- Investition: Alles, was dauerhaft und neu ins Schiff verbaut oder draufgeladen wird. Beispiele sind die Neu-Installation eines Tiefkühlers oder die zusätzlichen Solarpaneele
- Ersatz/ Reparatur: Eigentlich selbst erklärend, hierunter subsumieren wir alle Ausgaben für die Wiederherstellung kaputt gegangener Ausrüstung, also Ausgaben, die einem Kostenträger zugerechnet werden können
- Materialien/ Ersatzteile: Ausgaben für Dinge wie Schrauben, Sikaflex, Dichtungen, Werkzeug, die keine unmittelbare oder für einen Kostenträger spezifische Anwendung finden
- Unterhalt: Die Gemeinkosten des Lebens auf dem Schiff. Hierzu zählen beispielhaft die Schmier- und Treibstoffe, Klarierungsgebühren, Wartung der Rettungsinsel, Versicherungen, Anoden, Antifouling und Krangebühren, Mitgliedsbeiträge und nicht zuletzt die Kosten für unsere Webseite
- Leben: Letztendlich die Unterhaltskosten für die Crew. Kleidung, Lebensmittel, Getränke, Marinagebühren, Ausflüge, Nationalparkgebühren, Internet, Souvenirs oder Mietwägen
Uns so verteilten sich die Kostenarten bei uns in den letzten Jahren:

Gegenüber 2006 sind die Gesamtkosten in 2007 um 20% gesunken (unser Geldbeutel lacht). Dies liegt nahezu ausschließlich an geringeren Investitionen und Reparaturen, die Materialien und Ersatzteile sind der Höhe praktisch vernachlässigbar, der Unterhalt ist leicht gestiegen und die Lebenskosten sind praktisch unverändert.
Investitionen:
In 2006 hatten wir noch neue Kühlschränke, Solarpaneele, Kite-Ausrüstung, sowie Einbruchsschutz (Gitter für Niedergang und Luken) angeschafft. In 2007 haben wir dagegen nur die Hälfte für Neuanschaffungen v.a. einen neuen Blister ausgegeben.
Ersatz/ Reparatur:
Ebenfalls halbiert haben sich die Ausgaben für Reparaturen und Ersatz. Diese waren in 2006 deutlich erhöht, da in 2006 die Neuinstallation unseres Perkins-Diesel fiel sowie der Austausch unseres Dinghys inklusive Aussenborder, der Ersatz der geklauten Fotoausrüstung und die Erneuerung der Seitenscheiben. Die Reparaturkosten dürften in 2007 immer noch über dem normalen Niveau liegen (so hoffen wir still und leise...), da erneut einige Großausgaben wie neue Ankerkette, neuer Herd und ein neues Solarpaneel anfielen.
Materialien und Ersatzteile:
Hinsichtlich der Materialien und Ersatzteile sind wir nach dem Leerräumen des günstigen Budget Marine Ladens in Trinidad 2006 so gut ausgestattet, dass 2007 nur wenig Neuanschaffungen, sondern nur Ergänzungen notwendig waren.
Unterhalt:
Der Anstieg der Unterhaltskosten gegenüber 2006 liegt an zwei wesentlichen Faktoren. Zum einen hat sich der Preis unserer Auslandskrankenversicherung gerade mal verdoppelt (sic!) und zum anderen haben wir aus buchhaltungstechnischen Gründen den außerplanmäßigen Haul-Out 2006 in Guadeloupe nicht zum Unterhalt, sondern zur Reparatur unseres Perkins-Diesels gerechnet. In 2007 ist hingegen der (reguläre) Haul-Out auf Raiatea enthalten.
Leben:
Der größte Einzelblock, die Ausgaben für das Leben an sich, sind praktisch unverändert geblieben. Sollen wir uns jetzt darüber freuen, da wir immerhin sieben Monate im mega-teuren Revier Französisch-Polynesien unterwegs waren? Oder sollen wir uns darüber ärgern, da wir doch einen Großteil dieser Zeit auf einsamen Ankerplätzen ohne Möglichkeit Geld auszugeben verbracht haben? Gründe für das Beharren der Lebenshaltungskosten auf ihrem Niveau sind zum einen die hohen Ausgaben für Ausflüge, Nationalparkgebühren etc. in Galapagos sowie die Verproviantierung für 8 Monate, die wir leider im überteuerten Tahiti durchführen mussten. In diesem Bereich sehen wir dementsprechend auch das größte Einsparpotential im nächsten Jahr.
Wo sind nun die Hebel, an denen man am ehesten ansetzen kann, um die Kosten für Langfahrt zu reduzieren? Über die folgenden Kostentreiber, der Bedeutung nach angeordnet, kann man die Gesamtkosten einer Weltumsegelung am stärksten beeinflussen:
1. Restaurant- und Barbesuche
Selbst in extrem preisgünstigen Ländern wie Kolumbien und Venezuela schlägt ein Dinner im Restaurant gleich mal mit 10 bis 20 Euro für 2 Personen zu Buche. Davor noch einen Sundowner an der Strandbar oder danach ein Besuch in der lokalen Disco und schon sind weitere 10 bis 15 Euro weg.
2. Marinaaufenthalte
Unter 0,25 Euro pro Fuß und Tag gibt es keinen Marinaliegeplatz auf der Welt. 10 Euro am Tag für einen Vierzigfüßer sind also das absolute Minimum, in der Regel sind die Preise jedoch deutlich höher – bis zum sechsfachen!
3. Versicherungen:
Je weiter man sich von Europa entfernt, desto teurer werden die Versicherungen fürs Schiff. Hinzu kommen Unsummen, die die Versicherungen in den letzten Jahren für Hurricanschäden in der Karibik zahlen mussten, und die sie jetzt wieder von den Versicherten reinholen. Eine Vollkasko-Versicherung fürs Schiff haben zwar die meisten, in Gebieten mit tropischen Stürmen erreicht sie allerdings inzwischen Prämienhöhen, bei denen man stark über Sinn und Unsinn einer solchen Versicherung nachdenkt. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind die Auslandskrankenversicherungen. Hier sind die Preise in den letzten Jahren so dramatisch angestiegen, zum Teil glatt verdoppelt, dass man sich auch hier Gedanken machen muß, ob das wirklich noch sinnvoll ist.
4. Route:
Beinahe auf der ganzen Welt sind die Lebenshaltungskosten günstiger als bei uns in Europa. Besonders günstig sind dabei die Länder Südamerikas, wo man sprichwörtlich für einen Appel und Ei leben kann. Ein Kilo Rinderfilet kostet gerademal 6$, einen guten südamerikanischen Wein kriegt man für schon für 3$. Teuer bis unerschwinglich sind dagegen die meisten Karibikinseln, Französisch Polynesien, Japan, Galapagos. Legt man seine Route so, dass man möglichst viel Zeit in den günstigeren Ländern verbringt und dort auch für den kürzeren Aufenthalt in den teureren Ländern verproviantiert, kann man die Kosten ganz beachtlich drücken.
5. Schiffsgröße und –ausrüstung:
Mit der Schiffsgröße steigen die Kosten für Kranen, Antifouling, die Segel sind größer, die Schoten und Fallen müssen dicker, die Winschen kräftiger sein. Und je mehr Ausrüstung an Bord ist, desto mehr Ersatzteile werden benötigt, desto mehr kann kaputt gehen...
Der geneigte Leser, der sich bis hierher durch die trockene und langweilige Kostenrechnung vorgearbeitet hat, fragt sich nun vielleicht auch noch, was denn nun für den schwimmbaren Untersatz zu zahlen ist, mit dem Weltumsegler so um die Welt schippern. Gerade hierfür gibt es keine verbindliche Antwort, aber da uns viele insbesondere zum Thema Verhandlungsspielraum beim Schiffskauf befragen, noch ein paar Anmerkungen hierzu.
Logisch sind die im Internet genannten Preise für Gebrauchtyachten Wunschpreise des Verkäufers und es besteht ein oftmals gehöriger Verhandlungsspielraum. Die Höhe des Verhandlungsspielraums hängt von verschiedenen Faktoren ab: Verkaufsdruck des Verkäufers, realistische Einschätzung des Schiffszustandes und der Ausstattung, Art der Yacht (renommierte und gesuchte Serienyacht oder eigenwilliger Selbstbau), Standort, Verhandlungsgeschick der Parteien etc.
Wir sind keine Makler, aber wir wollen dennoch den Versuch machen, den Verhandlungsspielraum zu quantifizieren. Generell sollten nahezu immer 20 bis 30% Spielraum drin sein, aus glaubwürdigen Quellen wissen wir aber, dass ein Schiffsverkauf auch schon mal zu 60 oder 50% des ursprünglichen Preises stattfinden kann. Das dürften jedoch eher die Ausnahmen sein. In diesen Fällen kommen in der Regel mehrere besondere begünstigende Faktoren zusammen.
Und es ist natürlich auch nicht so, dass der günstigste ausgeschriebene Preis immer das Schiff mit dem schlechtesten Wert darstellt. Möglicherweise hat der Eigner eine besonders realistische Vorstellung vom Schiffswert und hat den Einstiegspreis für einen schnellen Verkauf angesetzt. Dann reduziert sich der Verhandlungsspielraum natürlich entsprechend und beträgt eventuell keine 10% mehr.
Unser Ratschlag: Mehrere Schiffe anschauen, Preise vergleichen, für ein interessantes Schiff ein Angebot abgeben und eine Weile warten. Hat der Verkäufer viele Interessenten dann kommt man möglicherweise nicht zum Zug. Stehen die Käufer aber nicht gerade Schlange, dann wird sich der Verkäufer eines Tages des zunächst unverschämten Angebots erinnern. Hier wie immer und überall im Leben gilt eben auch: Zeit ist Geld.
Einfache Frage, einfache Antwort: Geld verdienen und auf die Seite legen. Arbeiten, Lotto spielen, Erben, an der Börse spekulieren, die eigene Firma verkaufen, hier sind den Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt.
Viele der heutigen Langfahrtsegler sind Rentner, andere haben ihre Firma verkauft. Nicht wenige waren lange Jahre beim Militär und einige sind wie wir mitten im Berufsleben für ein paar Jahre "ausgestiegen".
Außerdem ist es durchaus möglich, auf den verschiedenen Stationen einer Weltumsegelung Geld zu verdienen. Am besten und unkompliziertesten geht das in den Überseegebieten Frankreichs. In anderen Ländern kann es dagegen komplizierter werden, eine legale Arbeit zu finden, und es ist auch nicht immer sicher, dass gerade Bedarf an den persönlichen Begabungen besteht. Außerdem ist zu bedenken, dass das Einkommensniveau in vielen Ländern deutlich niedriger als in Europa.
Nicht spekulieren würden wir darauf, mit Arbeiten für andere Segler Geld zu verdienen. Da sitzt das Geld eher knapp und die Mentalität ist eher so, dass anderen Seglern kostenlos geholfen wird.
Und wem das nun alles immer noch reicht, der kann sich bei unserer Freunden der SY Do It gerne deren Budgetübersicht ansehen.
