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Mittwoch 05. Januar 2011
Unser Standort: Vor Anker beim Motu Enejabrok, Ailuk Atoll, Marshall Inseln
Es pfeift ganz schön, als wir gestern in Kapen ankommen. Natürlich deutlich mehr als im Wetterbericht vorhergesagt und es schwellt wie die Hölle. Kein Wunder, wir haben Neumond und extreme Tidenhübe mit fast 2m sowie eine riesige Dünung von 4 Metern aus Nordwest, die bei Hochwasser ungehindert übers Riff läuft. Welle aus Nordwest gegen Windsee aus Nordost = chaotisches Wasser am Ankerplatz! Wie in der Waschmaschine! Da hätten wir auch in Ailuk bleiben können, ist unser erster Gedanke. Aber kaum fällt das Wasser wieder, wird es auch am Ankerplatz ruhiger. Volker beschließt, dass die Gelegenheit günstig ist, zum Langusten jagen. Bei Neumond müssten sie eigentlich in Scharen aufs Riff kommen und nur eingesammelt werden. Also macht er sich gegen 22:00 Uhr auf, in stockfinsterer Nacht, auf dem Aussenriff die Langusten zu suchen. Auch wenn für die Locals Taschenlampen verboten sind, der Ripelle bricht sich ohne das Genick. Daher geht Volker voll ausgerüstet los und kommt zwei Stunden später mit seinem Fang gut gelaunt zurück. Leider konnte er heute nur 3 Langusten finden, da der starke Wind das knöcheltiefe Wasser so aufpeitscht, dass man selbst mit Taschenlampe nichts sieht. Gut für die Langusten, schlecht für den Jäger!
In der Nacht frischt der Wind weiter auf und heult mit 30 Knoten und mehr in den Wanten von LA GITANA. Doch kein Squall ist zu sehen, der üblicherweise soviel Wind verursacht. Das muss wohl dann der "big wind" sein, von dem die Marshallesen immer sprechen. Der berühmte Nordostpassat, der hier in dieser Jahreszeit häufig mit Starkwindstärke bläst. Die "big winds" fangen meist um Weihnachten an und dauern bis ca. März. Bisher sind wir davon verschont geblieben und hatten uns schon gewundert, ob wir überhaupt etwas davon mitbekommen werden. Jetzt haben wir ihn, den "big wind". Und mehr davon als uns lieb ist. Es pfeift derart, dass wir befürchten, dass es unsere Genuapersenning zerreisst. Hier können wir nicht bleiben, auch wenn es toll ist, dass der Windgenerator Strom im Überfluss produziert. Kapen ist nach Nordosten hin zu offen und damit liegen wir ungeschützt im Passat. Also gehen wir wieder Anker auf und suchen uns vor der Nachbarinsel ein geschütztes Fleckchen im türkisfarbenen Wasser. Ah, schon besser. Wie ruhig können doch 30 Knoten Wind sein, wenn die Palmen auf der Insel 10 Knoten davon schlucken ;-)
Kaum ist der Anker gefallen, hören wir eine bekannte Stimme am UKW-Funkgerät "Vickay, Vickay" rufen. Rino, Darlines Mann, ruft uns vom einzigen UKW-Funkgerät der Insel, von der Krankenstation. Darline möchte wissen, ob es uns gut geht und wo wir sind, ob wir einen ruhigen Ankerplatz haben und vor allem, ob sie uns von hier oben hören kann. Wir hatten vereinbart, dass sie uns per UKW erreichen können und das wollte Darline nun testen. Ausserdem machten sie sich Sorgen, denn auch in Ailuk tobt der Wind und sie wisse nun, warum wir gestern unbedingt so schnell weg mussten. Selbst die Kanus bleiben heute an Land! Wir halten noch ein kleines Schwätzchen und Darline verspricht, dass sie sich wieder meldet. Vielleicht erfahren wir dann noch, ob und wann das Versorgungsschiff nun endlich kommt.
Der starke Passatwind soll uns die Woche über begleiten und wir sind froh, dass wir einen einigermaßen ruhigen Ankerplatz gefunden haben. Die Insel, zwischen Kapen und Enejelar, kennen wir noch nicht und wir werden sie sicher ausführlich erkunden bis unsere Freunde wieder nach Enejelar zurückkommen. Bis dahin genießen wir den Farbenrausch unseres Ankerplatzes.
Bild des Tages:
Farbenrausch am Ankerplatz! Wenn es doch immer so ruhig wäre...
