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Dienstag 25. Januar 2011
Unser Standort: Vor Anker beim Motu Enejelar, Ailuk Atoll, Marshall Inseln
Aufgerödelt, aufgeregt und voller Tatendrang fährt Volker heute um 10 Uhr an Land, um wie besprochen mit Bisen und Twin auf Oktopusjagd zu gehen. Doch anders als sonst rührt sich nichts. Kein Bisen, kein Twin läßt sich blicken. Merkwürdig! Sonst kommen sie doch sofort zum Dingi, um gleich loszufahren. Dann muss eben das Dingi verankert und auf die Suche gegangen werden.
Bei Linne's Haus wartet ein zerknirschter Bisen. Nix Okotopus heute. "Twin, fever", lautet die vernichtende Diagnose. Der Meisterjäger fühlt sich nicht wohl und hat sich eine böse Erkältung eingefangen. Kein Wunder, denn schon seit Tagen gehen hier die Viren reihum. Michaela hat es auch schon erwischt. Seit dem Wochenende leidet sie unter rauhem Hals, laufender Nase und jetzt auch noch einem leichten Husten. Volker wäscht sich jeden Tag mehrfach panisch die Hände, um sich nur ja nicht anzustecken. Und das ist gar nicht so einfach.
Denn inzwischen laufen hier alle, aber auch wirklich alle mit Rotznasen rum. Und alle strengen sich mächtig an, die Viren möglichst weitflächig und effizient zu verteilen. Das geht so: Dem kleinen Kujkuj tränen die Augen, er hustet und die Nase läuft. Liebevoll nimmt ihn Darline, der selbst die Nase läuft, in den Arm, wischt ihm mit den Fingern die Nase ab. Kurz darauf gibt sie mit denselben Fingern Nicki ein Stückchen Brot, der es sich unter die Nase hält, um erst einmal daran zu riechen. Dann kratzt er sich an der Nase. Kujkuj kommt herbeigelaufen, schnappt sich Nickis Nase. Natürlich mit der Hand, die gerade den Rotz von seiner eigenen Nase gewischt hat. Dann fassen sich alle Kinder an den Händen, tauschen Viren aus und die Hand wieder mitten ins Gesicht.
Ein Glück, dass es sich hier nur um einen harmlosen grippalen Infekt handelt. Ein Ebola- oder Choleraausbruch würde die kleine Gemeinde von Enejelar wohl in weniger als einer Woche vollständig auslöschen. Man tut hier wirklich nichts, um die Ausbreitung der Grippeviren einzudämmen. Ganz im Gegenteil. Beinahe machht es den Anschein, als wollen alle mit Gewalt, die Krankheitserreger mögllichst weit verbreiten. Aber das paßt ja zur pazifischen Kultur - man teilt eben Alles...
Bild des Tages:
Eine weitere effiziente Methode, die Grippeviren an alle zu verteilen, ist die "Russische Puppe", die durch alle Kinderhände geht. Hand an die Nase, Hand an die Puppe, der nächste nimmt das Teil, küßt es, wischt sich die Nase ab. Wie aus dem Lehrbuch von Epidemologen.
